Erich Schmeckenbecher:

Viele Kolleginnen und Kollegen kämpfen heute um ihre künstlerische Existenz. „Formatierung“ und „Quote“ haben sie aus dem Bewusstsein der Menschen gedrängt. Da können sie machen was sie wollen. Wir sind ein freies Land, hier darf jeder auch missachtet werden!

Wenige beherrschen den Markt und bestimmen was „Kultur“ ist. Wer missachtet wird, bestimmen sie auch. Sie orientieren sich ausschließlich an Haben und Soll, und geben dem Haben und immer mehr haben den Vorzug. Und ganze Generationen verblöden.

Menschen sind Verbraucher. „ Kultur“ muss in den Rahmen von Quote, und Formatierung passen. Viele Redakteurinnen und Redakteure haben längst ihr vorhandenes Format verdrängt und sich mit Hilfe der „Quoten“ in die Formatierung gerettet. Wer nie Format hatte, dem bleibt die Verdrängung erspart. Nach mir die Sintflut.

Der Künstler, der seine Kunst nicht an Verkaufszahlen, sondern an eigener Inspiration orientiert, der eigentliche Kulturträger, hat keine Chance mehr.
Er stellt vielmehr eine Gefahr dar, da er nicht berechenbar ist.
Kunst soll sich nicht einmischen, soll nicht mehr in Frage stellen.
Kunst soll angepasst, kalkulierbar und verwertbar sein. Sonst nichts!
Das gilt auch in den öffentlich rechtlichen Medien.
Der eigene Tellerrand wird mit dem Horizont verwechselt. Der „Kulturelle Auftrag“ wird durch „Marktforschung“ konterkariert. Redakteurinnen und Redakteure, die solche Unternehmenspolitik „kritisieren“, werden gemobbt, oder (wenn möglich) entlassen.
Und wenn dann der Acker durch den ständigen Raubbau nichts mehr hergibt, sind die Böcke mit ihren Schäfchen längst ins Trockene gezogen um an anderer Stelle den Gärtner zu mimen.

Gott sei Dank gibt es immer mehr Menschen, die dieses Spiel durchschauen und sich abwenden. Die Veranstaltung „Leben ist Poesie“ war ein Beweis dafür.
Es versteht sich natürlich von selbst, dass auch dieses Festival von Funk und Fernsehen nicht wahrgenommen wurde. Auch die örtlichen Zeitungen haben sich, wenn überhaupt, nur ein kleines Bäuerchen dazu abquälen können.
Ein Hundsfott, der böses dabei denkt.

Wie sagte schon Theodor Kramer:
„In der Heimat bin ich wirklich fremd!“

(aus dem Booklet des 4 CD-Albums „Leben ist Poesie“/Conträr-Musik)

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