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Pete Seeger (3. Mai 1919 – 27. Januar 2014)

Pete Seeger ist tot. Darüber bin ich traurig, freue mich aber, dass er so alt geworden ist. Noch vor nicht mal einem halben Jahr, im September 2013, sang er auf dem Farm-Aid-Concert in Saratoga Springs, gemeinsam mit Willie Nelson und Neil Young, den wohl amerikanischsten Song, der je geschrieben wurde: This Land Is Your Land, von seinem alten Weg- und Kampfgefährten Woody Guthrie.

Wie Woody war Pete zeitlebens politisch hoch motiviert. Jedes Kinderlied, jeder Folksong, jedes Liebeslied, jedes Anti-Kriegslied, das Pete Seeger je gesungen hat, war von ihm als Ermutigung für die Armen und Entrechteten dieser Erde gedacht. Waren auf Woodys Gitarre die Worte eingebrannt: This machine kills fascists stand auf Petes Banjo: This machine surrounds hate and forces it to surrender.

Keine Frage, dass Pete Seeger mir in meiner Jugend ein Vorbild war und es heute noch immer ist. Ausgerechnet von ihm, einem Amerikaner, hörte ich zum ersten Mal in meinem Leben Die Moorsoldaten. Außer ein paar Ostermarschierern kannte in der Bundesrepublik der 1960er Jahre noch niemand dieses Lied. Dank Pete ist es mittlerweile auch Teil meines Repertoires.

1986 in der DDR konnte ich Pete Seeger live auf der Bühne erleben. 1990 lernten wir uns in Dänemark persönlich kennen. Erfreut und auch etwas beschämt musste ich feststellen, dass er über mich fast mehr wusste, als ich über ihn. Unter anderem kannte er meine Fassung seines Liedes Sag mir, wo die Blumen sind. Wenn ich behaupte, dass Pete in meinem Leben immer irgendwie präsent war, ist das nicht nur so dahin gesagt. Vor etwa zwei Jahren habe ich noch sein Lied Turn, Turn, Turn ins Deutsche übertragen und aufgenommen. Ich werde es in Erinnerung an ihn auf meiner nächsten Tournee wieder ins Programm nehmen.

Hannes Wader