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Foto David

Auszüge aus dem Programm

"Liebe und andere Katastrophen
für Fortgeschrittene
"


Ich hatte mal einen One Night Stand. War ganz nett mit der Frau. Ich hätte sie aber gerne näher kennengelernt. Wir lagen so im Bett, wir hatten es gerade hinter uns gebracht. Da frage ich sie bei der Zigarette danach, wie sie heißt. Fragt sie zurück, ob ich sie irgendwie anmachen will.

    Ein Freund meinte, ich soll's doch mal mit 'ner Kontaktanzeige versuchen. Eigentlich bin ich kein Freund von Kontaktanzeigen, habe mir aber überlegt, daß ich das vielleicht versachlichen muß.
    Ich brauche etwas, das ist eine Tatsache. Ja. Und wenn ich z.B. 'ne Waschmaschine brauche, inseriere ich ja auch. Die lerne ich auch nicht zufällig im Cafe kennen. Also. Naja, das klingt jetzt ein bißchen macho-mäßig. Ich habe mir halt so 'n paar Argumente zurechtgelegt. Das hilft, wenn man die Dinge für nicht ganz so wichtig erklärt.
    Was ich allerdings nicht leiden kann, sind so Lobhudeleien in eigener Sache, von wegen "Unternehmungslustiger Typ mit viel Humor..." Grausam.
    In der Anzeige, die ich schließlich schaltete, beschrieb ich mich eher nüchtern. Ich wollte nicht, daß sich jemand Illusionen macht. Hier: "Junger, blasser, kränklicher Typ mit Neigung zu Herz-Rhythmus-Störungen und Prostata-Beschwerden sucht morbide Sie mit ähnlichen Interessen. Spätere gemeinsame Krankenhausaufenthalte nicht ausgeschlossen."

Es gibt diesen Amüsierzwang. An jeder Straßenecke springt dir vom Plakat aus 'n Hintern ins Gesicht, zur besten Sendezeit wird diskutiert über die Orgasmusfähigkeit der über Achtzigjährigen aus Mecklenburg-Vorpommern. Da mußt du zusehen, daß du den Anschluß nicht verpaßt! Dachte ich mir. Und in diesen Trendmagazinen wimmelt es nur so vor Sado-Maso-Tüftlern, Werbeleuten, die das Wochenende auf dem Streckbrett verbringen, Juristen, die die Robe mit der Gummikluft tauschen, sich zum spontanen Auspeitschen treffen, die Brustwarzen mit Nadeln oder Kerzen traktieren, daß man nur denkt: Mensch, müssen die einen Spaß haben! Und das Ganze soll so selbstverständlich ablaufen, fast konventionell. Vor ein paar Jahren noch stand Teetrinken für Geselligkeit. Ja, ein paar Leute erinnern sich. Heute ist das angeblich S/M oder Urophilie. Keine Ahnung übrigens, wie die sich verabreden. "Ja, nächstes Wochenende, kommt doch mal vorbei auf'n Anpinkeln!"

Ich frage mich langsam: Verläuft meine Entwicklung noch normal?

    Ich bin jetzt Mitte dreißig. Ich hab' noch nie jemand angepinkelt. Gut, ich hab mal gesagt "Verpiß dich!" Das war aber schon alles. Bin ich irgendwie pervers? Muß ich 'ne Therapie machen?

Wenn ich's wenigstens nachvollziehen könnte. Hab' mir schon überlegt: Handelt es sich dabei um eine heimliche Sehnsucht nach Unterdrückung bzw. klaren hierarchischen Verhältnissen, weil die Selbständigkeit so anstrengend ist? Oder hängt das mit der Jahrtausendwende zusammen? Vor der letzten Jahrtausendwende haben sich die Leute ja auch gegeißelt, weil sie dachten, der Weltuntergang sei nahe. Möglicherweise ist das jetzt ein ähnliches Phänomen, nur daß die sich sagen: "Schön, wir tun Buße, aber wir wollen noch ein bißchen Spaß dabei haben".


Besonders scharf finde ich ja Berichte über Misswahlen in Kalifornien:

Heather
Hey, meine Name ist Heather. Ich bin zur "Miss Bikinioberteil 97" gewählt worden. Ich freue mich riesig über diesen großen Erfolg, und es macht mich sehr stolz.
Ich weiß, es klingt kompliziert, aber im Grunde bin ich ein ganz normales Mädchen. Ich habe drei Hobbies: In der Sonne liegen, Sonnenbaden und Braun werden. Ich liebe es, die Sonnenstrahlen auf meiner Haut zu spüren.
Natürlich spielt Jeff Jones eine große Rolle, der berühmte Fotograf. Er sprach mich eines Tages an und fragte, ob ich an einem Modelwettbewerb teilnehmen möchte.
Jeff
Das Fantastische an Heather ist ihre große Natürlichkeit. Sie ist so natürlich - wenn wir Außenaufnahmen auf einer Wiese machen, kommen die Bienen und bestäuben sie. Sie ist wirklich ein sehr großes Talent.
Heather
Jeff hat mir alles gezeigt, was man tun muß, um einer Jury zu imponieren. Wie man sich darstellt, wie man sich bewegt und wie man richtig geht. Gehen ist gar nicht so einfach, wie man denkt. Du mußt erst rechts einen Schritt tun, dann links, dann äh und immer so weiter. Wenn dir das gelingt, ist es ein fantastisches Gefühl.
Jeff
In diesem Geschäft kommt es vor allem darauf an, daß du richtig gehst. Ob du richtig gehst oder nicht, entscheidet sich im Kopf. Wichtig ist: Du mußt einen Schritt nach dem anderen tun. Niemals zwei auf einmal. "Zwei auf einmal" bedeutet Hüpfen, und Hüpfen kommt bei der Jury nicht gut an.
Heather hat das unglaublich schnell begriffen.
Heather
Natürlich war es manchmal anstrengend. Aber als der Erfolg da war, wußte ich, daß es sich lohnt. Mein Leben hat sich seit dem unglaublich verändert. Oh, mein Gott! Wenn ich daran denke: Bis vor kurzem war ich noch ein kleines Mädchen das nicht weiß, was in der Welt los ist und plötzlich bin ich eine erwachsene Frau, die nicht weiß was in der Welt los ist.



Auszüge aus dem Programm
"Singles, Paare, Paradiese"



Ich bin Single. Ich sage das nicht gerne. Da denken gleich immer alle: Och, hat niemand abgekriegt. Und das trifft auf mich einfach nicht zu.
Ich habe viele Kontakte. Ich bin ein romantischer Typ. Eine Kerze anzünden, Musik anmachen, tanzen, sich tief in die Augen schauen - ich brauche das. Aber ich gebe zu, nach zwei Stunden reicht's mir. Und dann stelle ich den Spiegel auch wieder weg.

    Habe mir natürlich überlegt, ob ich mich auf eine Partnerschaft einlassen soll? Möglichkeiten hätte ich natürlich jede Menge.
    Vor kurzem hat sich z.B. die Frau gemeldet, mit der ich die erste längere Beziehung meines Lebens hatte. Sie meinte, laß uns vergessen, was war, du kannst jederzeit wieder zu mir ziehen. Aber ich habe dann gesagt: Nee, lass mal Mutter.

Ich kann das nur jedem empfehlen: Distanzbeziehung. Da haben sie beides: Alleinsein und Zuweitsein. Und es wird nie langweilig. Action.
Immer wieder Trennungsfreude, Wiedersehensschmerz.
Ich sage ganz offen, es ist nicht leicht, den Übergang zu schaffen vom manchmal tagelang, wochenlang Alleinsein zum Zuzweitsein. Ich habe, als sie mich besuchte, manchmal nur eine Tasse hingestellt. Das hat Stoff für Diskussionen gegeben.
Das muß man regelrecht üben, den anderen wahrzunehmen. Ich war so in meinen Single - Gewohnheiten drinn. Einmal hat sie gesagt:
Du weißt, ich gehöre nicht zu den Frauen, die etwas dagegen haben, wenn Männer im Stehen pinkeln. Aber könntest du vielleicht so lange warten, bis ich runter bin?
Ich habe es versucht mit Blumen wiedergutzumachen.
Sie hat nur gesagt: Verpiß dich.

    Ich habe meine Mutter neulich mal wieder für ein Wochenende besucht.
    Da ging das nur so:
    Hach, jetzt hast du schon wieder auf die neue Hose gekleckert. Und auch noch da vorne, wo's alle sehen!
    Ich weiß nicht, kennen sie Mütter?
    Solche Sachen können meiner Meinung nach nur Mütter sagen.
    Wie soll ich denn anders kleckern als vorne?
    "Oh, ich habe gekleckert. Na zum Glück hinten, da siehts niemand."
    Mütter haben eine ganz eigene Logik. Und ein sagenhaftes Gespür, für den richtigen Zeitpunkt.
    Abends wollte ich ins Kino. War mit zwei Kumpels verabredet. Stehen die an der Tür und warten. Ich will mir gerade die Jacke anziehen, kommt meine Mutter:
    -Mit dem Fleck gehst du mir nicht aus dem Haus.
    -Mutti, wir haben jetzt keine Zeit.
    -Das hättest du dir vorher überlegen müssen, bevor du gekleckert hast.
    Auch so ein typischer Müttersatz.
    Wer sagt denn sowas?
    "Ach, ich klecker jetzt lieber nicht, ich will ja abends ins Kino."
    Und dann kommt sie mit einem Handtuch an, das um den Finger rum feucht ist...

Blumen. Frauen fahren auf Blumen ab, das kann man sich als dumpfer Typ nicht vorstellen. Da kann der größte Zoff gewesen sein.
-Du Schwein. Ich zieh aus! Du Mistkerl.
-Hier hast du ein paar Tulpen.
-Oh wie lieb. Die sind aber schön.
Ich weiß nicht, was es ist. Vielleicht lösen die Blumen unbewußt Vorstellungen vom Paradies aus, vom Garten Eden. Aber warum haben Männer das nicht? Sind sie so tief gesunken?
Für einen Mann völlig unverständlich, warum so 'n Grünzeug sowas auslöst. Was ist das schon? Bißchen Zellulose, Chlorophyll, rote oder gelbe Farbpigmente. Das ist es also, was sie mag. Kompost im Vorstadium.


    Frauengewalt gegen Männer ist natürlich auch eine Möglichkeit der Problemlösung. Ich möchte Ihnen freistellen, wie Sie dazu stehen. Auf jeden Fall ist es ein Thema.
    Statistisch gesehen ist es so: 1,6 Mio. Frauen schlagen jährlich ihre Männer.
    Ja neulich war hier 'ne Frau im Seminar, die rief an dieser Stelle rein: Noch lange nicht genug!
    Ich konnte die Dame beruhigen. Denn die Dunkelziffer ist mit Sicherheit größer. Ich meine, welcher Mann traut sich denn darüber zu sprechen? Das ist doch ein Tabu. Das ist doch dem Mann peinlich. Das Raffinierte ist ja: Frauen sind stark, schaffen es aber, weiterhin als schwach zu gelten. Von einer Frau geschlagen werden - absurd. Da kann ich doch gleich sagen: Mein Hamster hat mich geohrfeigt.
    Ich meine, ich habe das auch nicht direkt erfahren, so Frauengewalt gegen mich. Ich hab´s auch nur gelesen. In meinem Tagebuch.


Ich hab mich mit Männerforschung beschäftigt. Und die ist ja zu dem Ergebnis gekommen: Der Mann ist eindeutig der Schwächere. Das Immunsystem ist schwächer, er stirbt früher und ist weniger belastbar als die Frau, die ja von vornherein auf mehrere Personen ausgelegt ist.
Wenn also ein Mann zu ihnen diesen traditionsreichen Satz sagt:

"Ey, hol mal 'n Bier!"

Dann müssen sie wissen, tut er das nicht aus Schikane, sondern eher aus Verzweiflung, weil er im Grunde weiß:
Wenn er jetzt aufsteht und seinen Körper belastet, hat er wieder ein paar Tage weniger zu leben.
Ich meine, das summiert sich. Sie müssen sich mal überlegen, wieviele Männer gestorben sind, weil sie zu oft zum Bierholen gegangen sind.
Das hat nichts mit Alkohol zu tun, sondern mit der biologischen Grundausstattung des Mannes. Die Schwäche des Mannes ist wissenschaftlich erwiesen. Die männliche Säuglingssterblichkeit ist viel höher.
Ist das nicht toll?
Bisher konnten nur Frauen Schwächeperioden mit ihrer Biologie begründen. Jetzt können wir das endlich auch.
– Es hat so viele Vorteile, einer schwachen Minderheit anzugehören.

    Gut, da werden männerfeindliche Witze gerissen.
    Kennen sie den?
    Was ist ein Mann im Säurebad? Ein gelöstes Problem.
    Oder den:
    Was macht eine Frau, deren Mann im Garten zickzack läuft? Weiterschießen.
    Oder:
    Sie sagt zu ihm: Im Büro haben sie gesagt, ich hätte tolle, schlanke Beine...
    Und er: Und über den fetten Arsch haben sie nichts gesagt?
    Nein, über dich haben wir nicht gesprochen.
    Aber ich bin sicher, damit ist bald Schluß.

Dafür wird es demnächst, einen Männerbeauftragten geben. Es wird Männerhäuser geben. Und ich meine damit keine Kneipen.
Wir werden demonstrieren, Forderungen stellen.
Als erstes mal: Zeugungsurlaub! Ja, da können sie dann in aller Ruhe ein paar Wochen probieren. Wenn der Mann Zeit hat und entspannt ist, wird das ein ganz anderes Kind.
Aber wahrscheinlich würden das die meisten Männer gar nicht mit sich machen lassen. Männer sind ja zur Härte gegen sich selbst erzogen. Machen brutal harte Sachen. Extremsport. Tragen Möbel, Verantwortung,
Dabei ist der Mann doch, wenn sie die ganzen biologischen Fakten betrachten, ein ganz anderer. Er ist ein zartes vergängliches, filigranes Federwölkchen, ein Kleinod unter den Geschlechtern. Er möchte nicht kämpfen, sondern viel lieber in bestickten Lackschühchen mit einem flauschigen Angoraleibchen bewamst durch die Atmosphäre schwirren.
Der Mann ist doch im Grunde die Frau unter den Geschlechtern.
Zumindest auf der Ebene der Vitalität.


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